Der Hunger nach Kultur - wie die Theatergemeinde München entstanden ist
München nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Stadt war zu großen Teilen zerstört, grundsätzliche Probleme bewegten die Menschen: Was werden wir essen? Wo können wir wohnen? Welche Schulen gibt es noch? Doch nicht nur den leeren Magen zu füllen, war ein großes Anliegen. Auch den Hunger nach Kultur zu stillen, stellte sich als existentielles Bedürfnis heraus. Schon 1945 gab es - den vielen Nöten und Schwierigkeiten zum Trotz - in provisorischen Sälen Theateraufführungen und die ersten Konzerte erklangen. Kein Weg war den Menschen zu weit, keine Schlange vor den Spielstätten zu lang, um endlich wieder Opern zu hören und Stücke zu sehen, die während der geistigen Isolation der NS-Diktatur nie auf die Bühne gekommen waren.
Die Theatergemeinde München hat nach dem Untergang des nationalsozialistischen Regimes einen wesentlichen und unverkennbaren Beitrag zur Neuentstehung des kulturellen Lebens in der Stadt geleistet. Dabei konnte der Verein zwar auf seine Anfänge nach dem Ersten Weltkrieg bis zu seiner erzwungenen Auflösung im Jahr 1933 zurückgreifen, aber die Situation war 1945 doch anders als 1919. Es galt, nach der geistigen und moralischen Verwüstung eine humane und christliche Kultur, die unter den Trümmern der Unmenschlichkeit verschüttet war, wieder ans Licht zu holen.
Mit ihrem ersten Vorsitzenden, dem späteren Stadtrat Jakob Baumann, wirkte die Theatergemeinde von Anfang an in diesem Sinne. Baumann und die anderen Aktiven der ersten Stunde kamen aus katholischen Organisationen. Nach langwierigen Verhandlungen erteilte die amerikanische Besatzungsmacht 1947 die erforderliche Lizenz - und der gemeinnützige Verein konnte im gleichen Jahr (wieder-) begründet werden. In einer Baracke am Stachus starteten der Kartenverkauf und die übrigen Aktivitäten.
Die Theatergemeinde war seit Anbeginn viel mehr als eine Karten-Agentur. Sie regte an, förderte, sammelte zerstreutes Publikum, holte, was verbannt gewesen war, auf Bühnen und Podien zurück. Sie wollte Theater allen Bevölkerungsschichten vermitteln, sie führte die Münchner an Kunst und Kultur heran und gestaltete das Angebot mit ihren eigenen Veranstaltungen kräftig mit.
Dieses Kulturverständnis gilt uneingeschränkt bis in die Gegenwart. Als größte Besucherorganisation Deutschlands ist die Theatergemeinde auch mehr als 60 Jahre nach ihrer Gründung selbst ein Teil des kulturellen Münchens - und alle rund 30.000 Teilnehmer mit ihr.
Die Chronik der Theatergemeinde München von 1947 bis 1997, die Dr. Josef Kurz, Historiker und ehemaliges Vorstandsmitglied, zum 50-jährigen Jubiläum verfasst hat, liegt kostenlos in der Geschäftsstelle der Theatergemeinde aus.


